Projekte zur Qualitätsverbesserung der Lehre

 

Das Studium an der Fakultät für Bauingenieurwesen ist sehr anspruchsvoll und weist insbesondere in der Studieneingangsphase der Bachelorstudiengänge, aber auch im gesamten Studienverlauf hohe Anforderungen an die fachlichen Leistungen der Studierenden auf. Die Mittel zur Qualitätsverbesserung sollen daher für die gezielte fachspezifische Unterstützung der Studierenden eingesetzt werden. Die Fakultät zielt dabei vor allem auf die Anhebung der Absolventenquote sowie auf die Verbesserung des Ausbildungsstandes der Studierenden. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Studiensituation an der Fakultät werden unter anderem durch die folgenden Projekte realisiert:

 

Game-Based-Learning im "Projektmanagement I"

Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Paradigmenwechsels in der Lehre, welcher von traditionell passiv ausgerichteten Lernformen auf selbstgesteuerte und eigenverantwortliche Lernprozesse zielt, wird am Lehrstuhl für Baubetrieb und Projektmanagement ein webbasiertes Spiel entwickelt. Es soll sowohl für die Vermittlung von Lehrinhalten im „Projektmanagement I“, als auch für die Wissensüberprüfung eingesetzt werden.

Basis des virtuellen Spiels ist ein reales Bauprojekt. Die Studierenden sollen im Zuge des Spiels unterschiedliche Phasen des Bauprojektes spielerisch erleben.

Innovatives Potenzial bietet das Game-Based Learning vor allem durch den Grundgedanken das Lernpotenzial digitaler Spiele für Bildungszwecke zu nutzen. Durch einen kontinuierlichen Spielzyklus, das Austesten von Handlungsalternativen sowie durch Wettbewerb oder Erfahrungsaustausch untereinander sollen auf Seiten der Studierenden vor allem aktive, selbstgesteuerte und situative Lernprozesse angeregt werden. Das Game-Based Learning ermöglicht durch die spielerische Komponente zudem eine hohe Lernmotivation und fördert implizites Lernen.

 

Kleingruppenübungen in "Mechanik I und II"

Zu den Lehrveranstaltungen in den Fächern Mechanik I und Mechanik II gehört neben der jeweiligen Vorlesung auch die von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführte Übung. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl an diesen Veranstaltungen besteht für die Studierenden hier jedoch nur begrenzt die Möglichkeit, Fragen zu stellen und diese tiefergehend mit der Lehrperson zu erörtern. Darüber hinaus fällt es Studierenden teilweise schwer, Fragen und Probleme gegenüber wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzusprechen.

Um die Studierenden im Lernprozess zu unterstützen, werden deshalb Kleingruppenübungen angeboten, die von studentischen Hilfskräften durchgeführt werden. Diese zusätzlichen Veranstaltungen stellen insbesondere aufgrund ihres interaktiven Charakters und der begrenzten Gruppengröße ein wesentliches didaktisches Element zur Vermittlung der Lehrinhalte dar.

Die positive Wirkung der bislang angebotenen Kleingruppenübungen soll zukünftig durch die Optimierung der Betreuungsquote und die Qualifizierung der studentischen Hilfskräfte ausgebaut werden. So gewährleistet eine ausreichend große Anzahl von Kleingruppenübungen mit jeweils begrenzter Gruppengröße nicht nur den interaktiven Charakter der Lehrveranstaltung, sondern auch das Einrichten von Kleingruppenübungen mit verschiedenen Anspruchsniveaus.

 

Selbstrechentutorien im Bachelormodul „Baustatik I“

Das Pflichtmodul „Baustatik I“ vermittelt im Bachelorstudium des Bauingenieurwesens elementare Themeninhalte des konstruktiven Ingenieurbaus. Diese stellen nicht nur für den Studienverlauf, sondern vor allem auch für das spätere Berufsleben eine wichtige Grundlage dar. Neben dem theoretischen Verständnis der vermittelten Inhalte ist daher auch die routinierte Anwendung der Methodik von besonderer Bedeutung.

Das Lehrangebot der „Baustatik I“ wird daher um Selbstrechentutorien erweitert, in denen die Studierenden verschiedene Aufgaben eigenständig bearbeiten und bei Bedarf Hilfestellung durch Aufsicht führende studentische Hilfskräfte erhalten. Die aktive Auseinandersetzung mit den Rechenverfahren und das eigenständige Erarbeiten verschiedener Aufgaben ermöglicht den Studierenden somit ein tiefergehendes Verständnis aller relevanten Themengebiete.
Um eine optimale Betreuung der Studierenden zu gewährleisten, werden die studentischen Hilfskräfte vor der Durchführung der Selbstrechenübungen durch das Center of Excellence in Academic Teaching (ExAcT) unter didaktischen Gesichtspunkten qualifiziert.
Zusätzlich zu den betreuten Selbstrechenübungen wird das Lehrangebot um Sprechstunden erweitert, in denen Studierende individuelle Rückfragen an die studentischen Hilfskräfte stellen können und dadurch ebenfalls im Übungsprozess unterstützt werden.

 

Tutoriengruppen in "Geotechnik I" und "Grundlagen der Geotechnik I"

Aufgrund hoher Studierendenzahlen und heterogener Kenntnisstände der Studierenden erweitert der Lehrstuhl für Geotechnik im Bauwesen die Lehrveranstaltungen Geotechnik I und Grundlagen der Geotechnik I um Tutoriengruppen.

Im Rahmen der Vorlesungen und Übungen können wichtige geotechnische Problemstellungen aufgrund der Gruppengröße meist nicht intensiv genug diskutiert und tiefergehend erörtert werden. Um den Studierenden trotzdem ein tieferes thematisches Verständnis zu vermitteln und ihr Interesse an geotechnischen Fragestellungen zu fördern, werden sie im Rahmen der Tutorien gezielt unterstützt.

In den nach Themenblöcken unterteilten Tutorien werden Aufgabensammlungen zur Verfügung gestellt, die sowohl das grundsätzliche geotechnische Verständnis stärken, als auch umfangreiche und praxisrelevante Fragestellungen abbilden. Im Sinne des Flipped-Class-Prinzips werden die Aufgaben im Tutorium durch die Studierenden selbst vorgestellt, diskutiert und besprochen. Dabei stehen Studentische Hilfskräfte unterstützend zur Seite. Bestehende Unklarheiten können somit unmittelbar diskutiert und beseitig werden.

Insgesamt werden durch die Tutorien vor allem die aktive Auseinandersetzung der Studierenden mit den fachbezogenen Inhalten sowie der Erwerb methodischen Wissens zur Lösung ingenieurwissenschaftlicher Problemstellungen gefördert. Auch die Berücksichtigung unterschiedlicher Kenntnisstände wird durch das erweiterte Lehrangebot mit begrenzter Gruppengröße gewährleistet.

 

Untersuchung von Studienverzögerungsfaktoren durch ergänzendes Qualitätsmanagement-Instrumentarium

Diverse Faktoren können Studienverzögerungen im Bachelorstudium an der Fakultät für Bauingenieurwesen bedingen. Um die Qualität im Bereich Studium und Lehre gewährleisten zu können, ist deshalb eine Analyse tieferliegender Ursachen und Wirkungszusammenhänge von Nicht-Bestehens- und Abbruchquoten sowie potenzieller Hemmnisse eines reibungslosen und erfolgreichen Studienverlaufs unabdingbar.

Ergänzend zu bestehenden hochschulweiten Instrumenten zum Qualitätsmanagement, führt das Fachgebiet Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften deshalb eine fakultätsinterne Untersuchung durch, welche die spezifischen Besonderheiten des Studiums an der Fakultät für Bauingenieurwesen sowie ihrer Studierendenschaft berücksichtigt.

Durch einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Studienverlaufszyklus einschließt, sollen so zunächst die Gründe für Studienverzögerungen an der Fakultät strukturiert und systematisch erfasst werden. Dabei werden mittels quantitativer sowie qualitativer Methoden alle relevanten Akteurinnen und Akteure sowie Expertinnen und Experten in die Analyse einbezogen, um Potenziale zur Verbesserung der Studierbarkeit sichtbar zu machen und schließlich Handlungsempfehlungen daraus abzuleiten.

Da sie einen langfristigen und nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Studierbarkeit in den Bachelorstudiengängen der Fakultät für Bauingenieurwesen ermöglichen, stellen die im Rahmen dieser Untersuchung entwickelten quantitativen und qualitativen Erhebungsinstrumente sowie die daraus abgeleiteten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen insgesamt ein zentrales Instrumentarium für das fakultätsinterne Qualitätsmanagement der Lehre dar.